Kurzüberblick: PKW-Maut in Deutschland
Deutschland ist eines der wenigen großen europäischen Länder, das keine allgemeine Pkw-Maut erhebt. Wer mit einem privaten Kraftfahrzeug auf deutschen Bundesautobahnen und Bundesstraßen fährt, zahlt keine Straßengebühren – egal ob Inländer oder ausländischer Reisender.
Das war nicht immer unumstritten: Über Jahre wurde in der Politik intensiv über eine Pkw-Maut diskutiert. 2015 beschloss der Bundestag das sogenannte „Infrastrukturabgabegesetz", das eine Maut für alle Fahrzeuge auf deutschen Autobahnen vorsah – mit einem gleichzeitigen Ausgleich für inländische Kfz-Halter über die Kraftfahrzeugsteuer, sodass deutsche Fahrer de facto nichts zahlen sollten.
EuGH-Urteil 2019: Pkw-Maut gescheitert
Am 18. Juni 2019 erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die geplante Pkw-Maut für europarechtswidrig. Der Grund: Die gleichzeitige Steuerbefreiung für deutsche Halter stelle eine unzulässige Diskriminierung ausländischer Fahrer dar. Das Vorhaben wurde daraufhin vollständig aufgegeben. Deutschland bleibt für Pkw mautfrei.
Somit gilt: Urlauber, Pendler und Geschäftsreisende, die mit dem Pkw durch Deutschland fahren, müssen keinerlei Mautgebühren entrichten. Lediglich einzelne Tunnel und Brücken wie der Herrentunnel in Lübeck oder der Warnowtunnel in Rostock erheben eigene Nutzungsgebühren – diese sind jedoch Sonderfälle und keine generelle Straßenmaut.
LKW-Maut (Toll Collect): Wer ist mautpflichtig?
Anders als beim Pkw existiert in Deutschland eine umfangreiche Lkw-Maut, die über das System Toll Collect betrieben wird. Diese Maut wurde 2005 eingeführt und seither schrittweise ausgeweitet. Sie ist eine der komplexesten und technisch ausgereiftesten Mautsysteme Europas.
Wer muss zahlen?
Mautpflichtig sind in Deutschland Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen, die bestimmte Gewichtsgrenzen überschreiten. Grundsätzlich gilt:
Kraftfahrzeuge und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht unterliegen der Mautpflicht auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen.
Fahrzeuge ab 3,5 t mit mehr als 9 Sitzplätzen oder zur Güterbeförderung sind ebenfalls mautpflichtig. Dies betrifft zahlreiche Transporter und leichte Nutzfahrzeuge.
Welche Straßen sind betroffen?
Das mautpflichtige Streckennetz umfasst zwei Kategorien:
- Bundesautobahnen: Das gesamte Autobahnnetz Deutschlands mit rund 13.000 km ist vollständig mautpflichtig.
- Bundesstraßen: Seit der schrittweisen Ausweitung ab 2012 sind heute nahezu alle Bundesstraßen (über 40.000 km) in das Mautnetz integriert.
- Landes- und Kommunalstraßen sind grundsätzlich nicht mautpflichtig.
Mauttarife 2025: Aktuelle Sätze im Überblick
Angaben in Euro pro Kilometer (€/km) · Stand: Januar 2025
Die Mautgebühren in Deutschland sind abhängig von drei Faktoren: der Achszahl des Fahrzeugs, der Emissionsklasse (Euro-Norm) sowie dem CO₂-Emissionsaufschlag, der seit Dezember 2023 erhoben wird. Die folgende Tabelle zeigt die Grundtarife ohne CO₂-Aufschlag:
| Achszahl | EURO 6 | EURO 5 | EURO 4 | Keine Einstufung |
|---|---|---|---|---|
| 2 Achsen | 0,192 € | 0,235 € | 0,282 € | 0,330 € |
| 3 Achsen | 0,259 € | 0,317 € | 0,375 € | 0,435 € |
| 4 Achsen | 0,325 € | 0,398 € | 0,469 € | 0,541 € |
| 5+ Achsen | 0,392 € | 0,479 € | 0,563 € | 0,648 € |
CO₂-Aufschlag seit Dezember 2023
Seit dem 1. Dezember 2023 wird zusätzlich ein CO₂-Differenzierungsaufschlag erhoben. Dieser beträgt je nach CO₂-Klasse zwischen 0,002 €/km und 0,200 €/km und erhöht die Gesamtmautlast deutlich. Fahrzeuge der Klasse C1 (niedrigste Emissionen) zahlen den geringsten Aufschlag.
Wie wird die LKW-Maut bezahlt?
Toll Collect bietet Mautpflichtigen drei offizielle Wege zur Einbuchung und Zahlung der Maut. Alle Methoden erfordern eine vorherige Registrierung beim Toll-Collect-System.
On-Board-Unit (OBU)
Das OBU-Gerät wird fest im Fahrzeug montiert und erfasst die gefahrene Strecke automatisch via GPS und DSRC-Funk. Die Abrechnung erfolgt monatlich auf Basis der tatsächlich gefahrenen Kilometer. Empfohlen für alle Betriebe mit regelmäßigem Mautaufkommen.
Toll Collect App
Die offizielle App ermöglicht die manuelle Einbuchung einer geplanten Route vor Fahrtantritt. Die Route muss vollständig angegeben werden (Startpunkt, Ziel, voraussichtliche Abfahrtszeit). Geeignet für gelegentliche Fahrten ohne OBU-Gerät.
Manuelle Einbuchung (Internet/Terminal)
Über das Toll-Collect-Webportal oder an Einbuchungsterminals an Raststätten und Grenzübergängen kann die Maut manuell gebucht werden. Diese Option eignet sich besonders für ausländische Fahrer, die selten in Deutschland unterwegs sind.
Kontrollen durch das BAG & Bußgelder bei Verstößen
Kontrollbehörde: Bundesamt für Güterverkehr (BAG)
Die Überwachung der Mautpflicht obliegt dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) mit Hauptsitz in Köln. Das BAG setzt dabei auf ein mehrstufiges Kontrollsystem:
- Automatische Mautkontrollen (KMSA): Über 300 ortsfeste Kontrollbrücken auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen erfassen Fahrzeuge automatisch und überprüfen deren Mautbuchung in Echtzeit.
- Mobile Kontrollen: BAG-Kontrolleure führen stichprobenartig Fahrzeugkontrollen auf der Straße durch und prüfen Fahrzeugpapiere, OBU-Buchung und Emissionsklasse.
- Nachträgliche Prüfung: Abrechnungsdaten von Toll-Collect-Kunden werden regelmäßig geprüft. Abweichungen können auch im Nachhinein zur Nachforderung führen.
Bußgelder bei Mautverstößen
Wichtig: Die Nichtentrichtung der Maut ist eine Ordnungswidrigkeit. Ausländische Fahrzeugführer müssen ggf. Sicherheitsleistungen vor Ort hinterlegen, wenn kein Wohnsitz in Deutschland besteht.
| Verstoß | Bußgeld (max.) |
|---|---|
| Mautpflichtige Strecke ohne Buchung befahren | 400 € |
| Falsche Angabe der Achszahl | 250 € |
| Falsche Emissionsklasse angegeben | 250 € |
| OBU manipuliert oder außer Betrieb gesetzt | 20.000 € |
| Nacherhebung der Maut (zzgl. zu Bußgeld) | + offener Betrag |
Ausnahmen von der Mautpflicht
Das Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG) sieht eine Reihe von Ausnahmen vor. Folgende Fahrzeuge und Fahrten sind von der Mautpflicht befreit:
Handwerker
Fahrzeuge des Handwerks bis 7,5 t zGG sind befreit, sofern sie im Umkreis von 75 km zum Betrieb eingesetzt werden.
Landwirtschaft
Fahrzeuge, die ausschließlich für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, sind vollständig befreit.
Rettungsdienste
Krankenwagen, Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutzfahrzeuge sind generell mautbefreit.
Bundeswehr
Militärfahrzeuge der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte sind von der Maut ausgenommen.
Elektro-LKW
Rein elektrisch betriebene Lastkraftfahrzeuge zahlen bis Ende 2025 keine CO₂-Differenzierungskomponente.
Öffentliche Hand
Fahrzeuge, die ausschließlich für hoheitliche Aufgaben eingesetzt werden, sind mautbefreit (z. B. Straßenmeisterei).
Ausblick: Mautausweitung und neue Regelungen ab 2025
Die deutschen Mautregeln sind in Bewegung. Die folgenden Entwicklungen sind für 2025 und darüber hinaus relevant:
Ausweitung auf 3,5-Tonner
Fahrzeuge ab 3,5 t, die zur Güterbeförderung oder mit mehr als 9 Sitzplätzen zugelassen sind, wurden in die Mautpflicht einbezogen. Betroffen sind vor allem Transporter und Kleintransporter.
Erhöhung der CO₂-Komponente
Die CO₂-Differenzierungskomponente steigt stufenweise. Fahrzeuge mit hohem CO₂-Ausstoß (Klassen C4/C5) zahlen deutlich mehr. Der Anreiz zum Wechsel auf emissionsärmere Fahrzeuge wächst.
Stärkere Förderung alternativer Antriebe
Rein elektrische und wasserstoffbetriebene LKW sollen langfristig Vergünstigungen erhalten, um den Umstieg zu beschleunigen. Konkrete Regelungen befinden sich noch in der Ausarbeitung.
Keine Pkw-Maut in Sicht
Eine Wiedereinführung der Pkw-Mautdiskussion ist politisch nicht absehbar. Das EuGH-Urteil von 2019 gilt als abschließende Entscheidung für die aktuelle Rechtslage.



