Deutschland

Mautpflicht in Deutschland: Wer zahlt, wie viel und warum?

Markus Stein

Verkehrsredakteur

14. Juni 2025
ca. 7 Min. Lesezeit
Aktuell geprüft 2025
Deutsche Autobahn bei Nacht mit Lichtspuren

© Foto: Deutsche Autobahn bei Nacht — Streckennetz der Bundesrepublik Deutschland

LKW-Maut, Vignetten, Streckenmaut — alles auf einen Blick

Abschnitt 1

Kurzüberblick: PKW-Maut in Deutschland

Deutschland ist eines der wenigen großen europäischen Länder, das keine allgemeine Pkw-Maut erhebt. Wer mit einem privaten Kraftfahrzeug auf deutschen Bundesautobahnen und Bundesstraßen fährt, zahlt keine Straßengebühren – egal ob Inländer oder ausländischer Reisender.

Das war nicht immer unumstritten: Über Jahre wurde in der Politik intensiv über eine Pkw-Maut diskutiert. 2015 beschloss der Bundestag das sogenannte „Infrastrukturabgabegesetz", das eine Maut für alle Fahrzeuge auf deutschen Autobahnen vorsah – mit einem gleichzeitigen Ausgleich für inländische Kfz-Halter über die Kraftfahrzeugsteuer, sodass deutsche Fahrer de facto nichts zahlen sollten.

EuGH-Urteil 2019: Pkw-Maut gescheitert

Am 18. Juni 2019 erklärte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die geplante Pkw-Maut für europarechtswidrig. Der Grund: Die gleichzeitige Steuerbefreiung für deutsche Halter stelle eine unzulässige Diskriminierung ausländischer Fahrer dar. Das Vorhaben wurde daraufhin vollständig aufgegeben. Deutschland bleibt für Pkw mautfrei.

Somit gilt: Urlauber, Pendler und Geschäftsreisende, die mit dem Pkw durch Deutschland fahren, müssen keinerlei Mautgebühren entrichten. Lediglich einzelne Tunnel und Brücken wie der Herrentunnel in Lübeck oder der Warnowtunnel in Rostock erheben eigene Nutzungsgebühren – diese sind jedoch Sonderfälle und keine generelle Straßenmaut.

Abschnitt 2

LKW-Maut (Toll Collect): Wer ist mautpflichtig?

Anders als beim Pkw existiert in Deutschland eine umfangreiche Lkw-Maut, die über das System Toll Collect betrieben wird. Diese Maut wurde 2005 eingeführt und seither schrittweise ausgeweitet. Sie ist eine der komplexesten und technisch ausgereiftesten Mautsysteme Europas.

Wer muss zahlen?

Mautpflichtig sind in Deutschland Fahrzeuge oder Fahrzeugkombinationen, die bestimmte Gewichtsgrenzen überschreiten. Grundsätzlich gilt:

Ab 7,5 Tonnen zGG

Kraftfahrzeuge und Fahrzeugkombinationen ab 7,5 t zulässigem Gesamtgewicht unterliegen der Mautpflicht auf Bundesautobahnen und Bundesstraßen.

Neu ab 1. Juli 2024

Fahrzeuge ab 3,5 t mit mehr als 9 Sitzplätzen oder zur Güterbeförderung sind ebenfalls mautpflichtig. Dies betrifft zahlreiche Transporter und leichte Nutzfahrzeuge.

Welche Straßen sind betroffen?

Das mautpflichtige Streckennetz umfasst zwei Kategorien:

  • Bundesautobahnen: Das gesamte Autobahnnetz Deutschlands mit rund 13.000 km ist vollständig mautpflichtig.
  • Bundesstraßen: Seit der schrittweisen Ausweitung ab 2012 sind heute nahezu alle Bundesstraßen (über 40.000 km) in das Mautnetz integriert.
  • Landes- und Kommunalstraßen sind grundsätzlich nicht mautpflichtig.
Abschnitt 3

Mauttarife 2025: Aktuelle Sätze im Überblick

Angaben in Euro pro Kilometer (€/km) · Stand: Januar 2025

Die Mautgebühren in Deutschland sind abhängig von drei Faktoren: der Achszahl des Fahrzeugs, der Emissionsklasse (Euro-Norm) sowie dem CO₂-Emissionsaufschlag, der seit Dezember 2023 erhoben wird. Die folgende Tabelle zeigt die Grundtarife ohne CO₂-Aufschlag:

AchszahlEURO 6EURO 5EURO 4Keine Einstufung
2 Achsen0,192 €0,235 €0,282 €0,330 €
3 Achsen0,259 €0,317 €0,375 €0,435 €
4 Achsen0,325 €0,398 €0,469 €0,541 €
5+ Achsen0,392 €0,479 €0,563 €0,648 €

CO₂-Aufschlag seit Dezember 2023

Seit dem 1. Dezember 2023 wird zusätzlich ein CO₂-Differenzierungsaufschlag erhoben. Dieser beträgt je nach CO₂-Klasse zwischen 0,002 €/km und 0,200 €/km und erhöht die Gesamtmautlast deutlich. Fahrzeuge der Klasse C1 (niedrigste Emissionen) zahlen den geringsten Aufschlag.

Abschnitt 4

Wie wird die LKW-Maut bezahlt?

Toll Collect bietet Mautpflichtigen drei offizielle Wege zur Einbuchung und Zahlung der Maut. Alle Methoden erfordern eine vorherige Registrierung beim Toll-Collect-System.

On-Board-Unit (OBU)

Das OBU-Gerät wird fest im Fahrzeug montiert und erfasst die gefahrene Strecke automatisch via GPS und DSRC-Funk. Die Abrechnung erfolgt monatlich auf Basis der tatsächlich gefahrenen Kilometer. Empfohlen für alle Betriebe mit regelmäßigem Mautaufkommen.

Toll Collect App

Die offizielle App ermöglicht die manuelle Einbuchung einer geplanten Route vor Fahrtantritt. Die Route muss vollständig angegeben werden (Startpunkt, Ziel, voraussichtliche Abfahrtszeit). Geeignet für gelegentliche Fahrten ohne OBU-Gerät.

Manuelle Einbuchung (Internet/Terminal)

Über das Toll-Collect-Webportal oder an Einbuchungsterminals an Raststätten und Grenzübergängen kann die Maut manuell gebucht werden. Diese Option eignet sich besonders für ausländische Fahrer, die selten in Deutschland unterwegs sind.

Abschnitte 5 & 6

Kontrollen durch das BAG & Bußgelder bei Verstößen

Kontrollbehörde: Bundesamt für Güterverkehr (BAG)

Die Überwachung der Mautpflicht obliegt dem Bundesamt für Güterverkehr (BAG) mit Hauptsitz in Köln. Das BAG setzt dabei auf ein mehrstufiges Kontrollsystem:

  • Automatische Mautkontrollen (KMSA): Über 300 ortsfeste Kontrollbrücken auf deutschen Autobahnen und Bundesstraßen erfassen Fahrzeuge automatisch und überprüfen deren Mautbuchung in Echtzeit.
  • Mobile Kontrollen: BAG-Kontrolleure führen stichprobenartig Fahrzeugkontrollen auf der Straße durch und prüfen Fahrzeugpapiere, OBU-Buchung und Emissionsklasse.
  • Nachträgliche Prüfung: Abrechnungsdaten von Toll-Collect-Kunden werden regelmäßig geprüft. Abweichungen können auch im Nachhinein zur Nachforderung führen.

Bußgelder bei Mautverstößen

Wichtig: Die Nichtentrichtung der Maut ist eine Ordnungswidrigkeit. Ausländische Fahrzeugführer müssen ggf. Sicherheitsleistungen vor Ort hinterlegen, wenn kein Wohnsitz in Deutschland besteht.

VerstoßBußgeld (max.)
Mautpflichtige Strecke ohne Buchung befahren400 €
Falsche Angabe der Achszahl250 €
Falsche Emissionsklasse angegeben250 €
OBU manipuliert oder außer Betrieb gesetzt20.000 €
Nacherhebung der Maut (zzgl. zu Bußgeld)+ offener Betrag
Abschnitt 7

Ausnahmen von der Mautpflicht

Das Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG) sieht eine Reihe von Ausnahmen vor. Folgende Fahrzeuge und Fahrten sind von der Mautpflicht befreit:

🔧

Handwerker

Fahrzeuge des Handwerks bis 7,5 t zGG sind befreit, sofern sie im Umkreis von 75 km zum Betrieb eingesetzt werden.

🌾

Landwirtschaft

Fahrzeuge, die ausschließlich für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke genutzt werden, sind vollständig befreit.

🚑

Rettungsdienste

Krankenwagen, Feuerwehr, Polizei und Katastrophenschutzfahrzeuge sind generell mautbefreit.

🪖

Bundeswehr

Militärfahrzeuge der Bundeswehr und verbündeter Streitkräfte sind von der Maut ausgenommen.

🔌

Elektro-LKW

Rein elektrisch betriebene Lastkraftfahrzeuge zahlen bis Ende 2025 keine CO₂-Differenzierungskomponente.

🏛️

Öffentliche Hand

Fahrzeuge, die ausschließlich für hoheitliche Aufgaben eingesetzt werden, sind mautbefreit (z. B. Straßenmeisterei).

Abschnitt 8

Ausblick: Mautausweitung und neue Regelungen ab 2025

Die deutschen Mautregeln sind in Bewegung. Die folgenden Entwicklungen sind für 2025 und darüber hinaus relevant:

Juli 2024

Ausweitung auf 3,5-Tonner

Fahrzeuge ab 3,5 t, die zur Güterbeförderung oder mit mehr als 9 Sitzplätzen zugelassen sind, wurden in die Mautpflicht einbezogen. Betroffen sind vor allem Transporter und Kleintransporter.

2025

Erhöhung der CO₂-Komponente

Die CO₂-Differenzierungskomponente steigt stufenweise. Fahrzeuge mit hohem CO₂-Ausstoß (Klassen C4/C5) zahlen deutlich mehr. Der Anreiz zum Wechsel auf emissionsärmere Fahrzeuge wächst.

2026 ff.

Stärkere Förderung alternativer Antriebe

Rein elektrische und wasserstoffbetriebene LKW sollen langfristig Vergünstigungen erhalten, um den Umstieg zu beschleunigen. Konkrete Regelungen befinden sich noch in der Ausarbeitung.

Dauerhaft

Keine Pkw-Maut in Sicht

Eine Wiedereinführung der Pkw-Mautdiskussion ist politisch nicht absehbar. Das EuGH-Urteil von 2019 gilt als abschließende Entscheidung für die aktuelle Rechtslage.

Häufig gestellte Fragen

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